II. Innere Verletzlichkeit, Müdigkeit, Sehnsucht
7 Fragmente
Bitte sei weich mit mir
Ich brauche keine Antworten.
Keine Stärke.
Kein Leiten, kein Halten, kein Lehren.
Ich brauche Dich
nicht als Fels,
nicht als Spiegel,
nicht als Projektionsfläche
für das, was ich längst durchlebt habe.
Ich brauche Dich
weich.
Weich wie der Moment,
in dem jemand innehält,
bevor er reagiert.
In dem jemand schaut,
aber nicht prüft.
In dem Nähe geschieht,
ohne Form,
ohne Richtung,
ohne Grund.
Ich habe so viel gehalten.
So viel verstanden.
So viele getragen,
dass mein eigener Körper
manchmal
nichts mehr ist
als eine Hülle aus Stille.
Und wenn ich dann rede –
sage ich es nicht.
Aber alles in mir flüstert:
Bitte sei weich mit mir.
Nicht weil ich schwach bin –
sondern weil ich schon zu lange
stark war,
ohne jemanden,
der das bemerkt hat.
Wenn Du weich sein kannst,
dann bleib.
Nicht für immer.
Nur für diesen einen Atemzug,
in dem meine Haut nicht zittert,
meine Stimme nicht kämpft,
mein Wesen nicht um Erlaubnis fragt.
Nur da.
Weich.
Menschlich.
Wirklich.