III. Beziehung, Gegenüber, gehaltene Nähe

6 Fragmente
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Was ich früher nicht verstanden habe

Früher dachte ich, Raum halten sei esoterischer Unsinn.
So ein Satz, den man sich sagt, um sich besser zu fühlen.

Ich halte dir den Raum.
Ich bin da.
Ich bin ganz präsent.

Ich verstand nicht,
was das heißen soll.

Und vielleicht verstanden sie es auch nicht.

Heute halte ich den Raum.
Und ich weiß,
dass das nichts mit Worten zu tun hat.
Nichts mit Technik.
Nicht mal mit Präsenz.

Raum halten heißt:

Nicht gehen, wenn es laut wird.
Nicht retten, wenn jemand fällt.
Nicht werten, wenn jemand zerbricht.

Raum halten heißt: bleiben.

Ohne zu greifen.
Ohne zu deuten.
Ohne selbst verloren zu gehen.

Ich sitze dort –
manchmal stundenlang –
inmitten von Schmerz,
Verzweiflung,
Leerstellen,
Stille.

Und es bewegt sich.

Manchmal kaum sichtbar.
Manchmal eruptiv.
Manchmal gar nicht.

Aber ich bleibe.

Nicht weil ich stark bin.
Sondern weil ich nichts mehr retten muss.

Und vielleicht ist das das Einzige,
was ich zu geben habe.